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Macocha

07.08.2018
Macocha
Wenn Sie Höhen nicht leiden können, lieber nicht nach unten schauen. Ist aber Ihre Neugier stärker als Sie, sorgen Sie dafür, dass Sie mit den Füßen fest am Boden stehen.

Sie blicken nämlich in die Schlucht namens Macocha.

Die Schlucht befindet sich im Naturschutzgebiet Moravský kras (Mährischer Karst), knapp 40 Kilometer nordöstlich von Brünn, der zweitgrößten Stadt Tschechiens.

Wie bekam sie ihren Namen? Nach der Sage, die angeblich auf wahrer Begebenheit beruht, stürzte eine Stiefmutter (auf Tschechisch „macecha“) ihren Stiefsohn in die Schlucht. Der Junge konnte zum Glück gerettet werden, die Schlucht wurde jedoch der Stiefmutter zum Verhängnis.

Macocha entstand nach dem Deckeneinbruch einer großen unterirdischen Höhle. Sie gehört zum Komplex der Amateurhöhlen, des längsten Höhlensystems in der Tschechischen Republik.

Da das Sonnenlicht auf den Grund der Schlucht fällt, gehört sie zu der s.g. Kategorie „Light hole“. In dieser Kategorie hält Macocha mit ihrer Tiefe von 138,7 Meter den ersten Platz zwischen den tiefsten Schluchten Mitteleuropas.

Durch das Errichten des oberen und unteren Stegs wurde Macocha für die Touristen zugänglich.  Auf dem Grund fließt der Fluss Punkva und speist zwei unterirdische Seen. Oberer See am Zulauf ist ungefähr 13 Meter tief und ist von oben sichtbar. Unterer See am Ablauf hat eine Tiefe von 49 Meter und ist zwischen den Felsen verborgen. Unter dem Wasserspiegel des Unteren Sees verbergen sich weitere unterirdische Räume, die bisher erst in die Gesamttiefe von knapp 190 Meter erkundet wurden.

Auf dem Grund herrscht spezifisches Mikroklima, wodurch hier die seltenste Pflanze von Moravský kras aus der Familie der Primelgewächse gedeiht – Alpenheilglöckchen (Cortusa matthioli). Die Pflanze ist das Überbleibsel der letzten Eiszeit und wurde hier am Anfang des 20. Jahrhunderts bei einer Expedition entdeckt. Der Schluchtgrund sowie die anliegenden Felsen sind eben die einzigen Standorte dieser kühl liebenden Pflanze. Wenn Sie Alpenheilglöckchen in Macocha erblicken möchten, heben Sie bei der Besichtigung vom Grund der Schlucht Ihre Augen und blicken Sie auf die steile nordwestlich orientierte Felswand hinauf.

Zum oberen Steg gelangen Sie mit einem der umweltfreundlichsten Transportmittel – Seilbahn. Auf dem Weg empor verschlägt Ihnen der Höhenunterschied den Atem, den Sie überwinden müssen.

Haben Sie bereits vom Kleinplaneten mit der Bezeichnung 1998 YJ12 gehört? Und was hat er mit der Schlucht zu tun? Den Namen „Macocha“. Er wurde gerade nach dieser Schlucht benannt und ist zwischen Mars und Jupiter unterwegs.

Die Schlucht Macocha reizt mit ihren senkrechten Felsen und bewaldeten Rändern die Abenteurer aus den Reihen der Schriftsteller, Dichter und Maler. Lassen auch Sie sich zum Besuch dieses einzigartigen und sagenumwobenen Ortes in Südmähren verführen.